ORBEA Ludwigshafen

Natur & Verantwortung

ORBEA: Einfach besser leben mit Natur

Vom Garten zum Lebensraum – wie naturnahe Gärten die Artenvielfalt retten

Viele Gärten sind ökologisch wertlos – dabei können sie wichtige Lebensräume sein. Mit heimischen Pflanzen, kleinen Naturmodulen wie Totholz oder Teichen und etwas mehr „Wildnis“ lässt sich die Artenvielfalt deutlich steigern. Schon kleine Flächen reichen, um einen Unterschied zu machen – einfach anfangen lohnt sich.

Deutschlands Gärten bedecken zusammen eine Fläche, die größer ist als das Saarland – und die meisten davon sind ökologisch so gut wie tot. Rollrasen, Mähroboter, Kiesbett: Das sieht ordentlich aus, bietet aber kaum einem Tier oder einer heimischen Pflanze eine Chance. Die Naturschutzreferentin Kathrin Barsnick zeigt, warum das nicht so bleiben muss – und wie einfach der Wandel ist.

Das Problem: Lebensräume verschwinden vor unserer Haustür

Flächenversiegelung, Fragmentierung, Monokulturen in der Landschaft – die Ursachen der Biodiversitätskrise klingen abstrakt, spielen sich aber direkt vor dem eigenen Fenster ab. Wo früher Wildblumen blühten, wächst heute Einheitsgras. Kathrin Barsnick nannte das in ihrem Vortrag treffend „Gärten des Grauens" – und hat einen konkreten Vorschlag: Naturnahe Privatgärten können als Trittsteinbiotope fungieren, isolierte Lebensräume vernetzen und echte Artenvielfalt zurückbringen.

Die Lösung: Heimische Wildpflanzen statt Zuchtformen

Der entscheidende Unterschied liegt zwar auch am Fleiß des Gärtners oder der Gärtnerin, vor allem aber in der Pflanzenwahl. Heimische Wildpflanzen – Wiesensalbei, Pfirsichblättrige Glockenblume, Natternkopf, Kornelkirsch – haben sich über lange Zeit mit der lokalen Tierwelt gemeinsam entwickelt. Gezüchtete Sorten mit gefüllten Blüten oder Neophyten wie der Schmetterlingsflieder mögen hübsch aussehen, bieten aber deutlich weniger Nektar, Pollen und Raupennahrung. „Wer heimisch pflanzt, schafft echte Nahrungsketten“, so Barsnick.

Naturmodule: Kleine Eingriffe, große Wirkung

Totholzhaufen, Reisighaufen, ein Miniteich, eine Trockenmauer, ein Laubhaufen in der Ecke – Barsnick nennt sie „Naturmodule" und zeigt, dass schon einzelne dieser Elemente die Artenvielfalt im Garten spürbar steigern. Käfer, Igel, Wildbienen, Amphibien und Vögel finden hier Nahrung, Unterschlupf und Brutmöglichkeiten. Der Aufwand ist minimal, der Effekt maximal.

Umdenken beim „Unkraut"

Brennnesseln und Disteln gelten im klassischen Garten oft als „Unkraut“. Im Naturgarten geht es jedoch darum, bewusster hinzuschauen: Die Brennnessel dient zahlreichen Schmetterlingsraupen als Nahrung, Disteln sind wichtige Futterquellen für Insekten und Vögel wie z.B. den Distelfinken. Nicht jede Pflanze muss deshalb einen Platz im eigenen Garten bekommen – entscheidend ist das Bewusstsein dafür, was man entfernt. Barsnick: „Jäten darf und muss man natürlich. Aber man sollte wissen, was wächst und welche ökologische Bedeutung manche Pflanzen haben.“ Und invasive Neophyten wie Goldruten oder Götterbaum sollten tatsächlich konsequent entfernt werden.

Einfach anfangen – 30 Quadratmeter reichen

Barsnick hat ihr Konzept selbst erprobt: 30 Quadratmeter Betonfläche in ihrem privaten Garten verwandelte sie in ein blühende Trittsteinbiotop – Aus Grau mach Grün. Ihr Rat: „Klein anfangen, beobachten, und den Garten schrittweise umgestalten. Mit einem Reisighaufen, ein paar heimischen Stauden und einer Wasserstelle ist der Anfang gemacht.“

Vier Jahre liegen zwischen einem konventionellen Garten und einem Lebensraum für die Natur. Fotos: ORBEA